Wohnen auf Zeit in Großstädten: So steigern Vermieter ihre Rendite
23 September 2026 0 Kommentare Lisa Madlberger

Wohnen auf Zeit in Großstädten: So steigern Vermieter ihre Rendite

Stellen Sie sich vor, Ihre Wohnung steht leer, während Sie auf einen neuen Langzeitmieter warten. Oder schlimmer: Der alte Mieter ist weg, und die Miete fließt nicht. Genau hier setzt Wohnen auf Zeit an. Es ist keine Nischenerscheinung mehr, sondern ein massiver Trend in deutschen Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg. Für Vermieter bedeutet das eine echte Chance, Leerstand zu eliminieren und gleichzeitig deutlich höhere Einnahmen zu erzielen als bei der klassischen Langzeitvermietung.

Aber ist es wirklich so einfach? Die Antwort lautet: Ja, aber nur mit Strategie. Dieser Artikel zeigt Ihnen konkret, wie Sie von diesem Markt profitieren, welche rechtlichen Fallstricke Sie kennen müssen und warum kleine Wohnungen oft die besten Renditen abwerfen.

Warum der Markt für temporäres Wohnen boomt

Die Arbeitswelt hat sich verändert. Globalisierung und Digitalisierung sorgen dafür, dass Menschen mobiler sind denn je. Laut einer Analyse von Roomhero.de (2023) entstand das Konzept des Wohnens auf Zeit genau aus diesem Bedarf heraus. Früher waren es primär Geschäftsreisende, die Serviced Apartments buchten. Heute umfasst die Zielgruppe digitale Nomaden, Austauschstudenten, Berufspendler und Mitarbeiter, die für Projekte in andere Städte versetzt werden.

Dr. Klaus Schmidt, Immobilienökonom am ifo Institut, stellte bereits im Oktober 2023 fest: "Der Trend zum Wohnen auf Zeit ist kein kurzfristiger Hype, sondern eine strukturelle Veränderung des Wohnungsmarktes." Diese Einschätzung wird durch harte Zahlen gestützt. Eine Studie des ifo Instituts aus November 2023 zeigt, dass dieser Sektor mittlerweile 8,7 % des gesamten Wohnungsbestands in den sieben größten deutschen Städten ausmacht - ein Wachstum von 220 % seit 2018. Wer heute vermietet, sollte diese Dynamik nutzen, bevor der Markt noch gesättigter ist.

Finanzielle Vorteile: Höhere Mieten trotz Mietpreisbremse

Der vielleicht stärkste Hebel für Vermieter ist der Preis. In Großstädten können die monatlichen Mieten für Zeitwohnen bis zu 40 % höher liegen als bei klassischer Langzeitvermietung, wie Daten von Urbanbnb.de (2023) belegen. Warum dürfen Sie so viel verlangen?

Ein entscheidender Punkt ist die Mietpreisbremse. Seit 2015 gilt sie in vielen Bundesländern und begrenzt die Miete bei Neuvermietungen auf maximal 10 % über dem Mietspiegel. Das Problem: Diese Bremse greift bei Kurzzeitmieten und möblierten Wohnungen oft nicht oder nur eingeschränkt. Bei Zeitwohnen rechnen Sie nicht primär nach Quadratmeterpreis ab, sondern nach Komfortfaktoren wie Möblierung, Lage und Flexibilität.

Zusätzlich profitieren Sie von einer höheren Zahlungssicherheit. Berufspendler und Studenten werden häufig von Arbeitgebern oder Institutionen finanziert. Housinganywhere.com (2023) bestätigt, dass diese Mietergruppen meist sehr solvent sind. Das Risiko von Mietnomaden sinkt erheblich. Ein praktisches Beispiel: Nutzer "MünchenVermieter89" berichtete auf Reddit, dass er durch die Vermietung seiner 2-Zimmer-Wohnung an Austauschstudenten seine Einnahmen um 28 % steigerte und kaum Ausfallzeiten hatte.

Schlüsselübergabe an Mieter in möblierter Kleinwohnung

Welche Immobilientypen funktionieren am besten?

Nicht jede Wohnung eignet sich gleich gut für Zeitwohnen. Die Nachfrage konzentriert sich stark auf bestimmte Größen und Lagen. Kleine Wohnungen mit ein bis zwei Zimmern weisen laut Branchenanalysen die höchste Mietrendite pro Quadratmeter auf. Warum? Weil Singles, Paare ohne Kinder oder Studenten selten großen Platzbedarf haben, aber hohe Ansprüche an die Ausstattung stellen.

  • Möblierte Wohnungen: Immofranken.de (2023) weist nach, dass möblierte Objekte durchschnittlich 10-30 % höhere Preise erzielen. Der Mieter spart sich den Umzugsaufwand und kauft keine Möbel.
  • Serviced Apartments & Coliving: Besonders in Berlin wachsen Coliving-Modelle um 35 % pro Jahr (Studie TU München, Okt. 2023). Hier teilen sich Mieter Gemeinschaftsflächen, was die Attraktivität für junge Professionals erhöht.
  • Pensionen & WG-Zimmer: Ideal für Handwerker auf Montage oder Studierende. Die Mindestmietdauer muss hier besonders beachtet werden, um rechtliche Grauzonen zu vermeiden.

Die ideale Immobilie für Zeitwohnen ist unter 60 m² groß, liegt nah an Universitäten oder Geschäftsdistrikten und bietet eine gute Verkehrsanbindung. Der Zustand und das Design spielen eine größere Rolle als bei Langzeitmietern, da diese oft nur wenige Wochen bleiben und sofort bezugsfertig sein wollen.

Vergleich: Langzeitvermietung vs. Wohnen auf Zeit
Kriterium Langzeitvermietung Wohnen auf Zeit
Durchschnittliche Mietsteigerung Begrenzt (Mietspiegel +10%) Bis zu 40% höher möglich
Verwaltungsaufwand Gering (wenige Wechsel) Hoch (häufige Übergaben)
Möblierungskosten Meist nicht erforderlich Erforderlich (steuerlich absetzbar)
Risiko Mietausfall Vorhanden (Mietnomaden) Gering (solvente Zielgruppen)
Rechtliche Tücken Kündigungsschutz beachten Zweckentfremdungsgesetz beachten

Rechtliche Stolperfallen: Zweckentfremdung richtig managen

Bevor Sie loslegen, müssen Sie die Gesetze kennen. Rechtsanwältin Maria Weber aus München warnt in der ImmobilienZeitung (Ausgabe 12/2023): "Vermieter müssen strikt darauf achten, dass die Wohnung nicht zu touristischen Zwecken vermietet wird und der Mieter den Wohnsitz anmeldet, um nicht gegen das Zweckentfremdungsgesetz zu verstoßen."

Das ist der kritische Punkt. In vielen Großstädten gibt es strenge Regeln zur sogenannten Zweckentfremdung. Die Mindestmietdauer variiert je nach Stadt:

  • Berlin: Ab Januar 2024 gelten strengere Regeln; die Mindestmietdauer wurde auf sechs Monate erhöht.
  • München: Hier liegt die Grenze bei fünf Monaten.
  • Allgemein: Oft reicht eine Mindestdauer von drei Monaten, aber das hängt vom lokalen Gesetz ab.

Wenn Sie unterhalb dieser Fristen vermieten, riskieren Sie Bußgelder. Stellen Sie sicher, dass der Mieter seinen Wohnsitz beim Einwohnermeldeamt anmeldet. Das dient als Nachweis, dass es sich um echten Wohnraum und nicht um eine Ferienwohnung handelt.

Konzeptdarstellung von Mietrecht und Zeitmanagement

Praxis-Tipps für einen reibungslosen Ablauf

Der administrative Aufwand ist der größte Nachteil von Zeitwohnen. Eine Umfrage des Deutschen Mieterbundes (September 2023) ergab, dass neue Vermieter eine Lernkurve von 3-4 Monaten brauchen, bis alle Prozesse sitzen. Auch Nutzer "BerlinLandlord" auf Reddit schätzte seinen zusätzlichen Zeitaufwand auf 15 Stunden pro Monat für Verwaltung und Reinigung.

So minimieren Sie den Stress:

  1. Übergabeprotokoll: Dokumentieren Sie den Zustand der Möbel und der Wohnung penibel. Fotos helfen, Streitigkeiten über Schäden zu vermeiden.
  2. Pauschalmiete: Rechnen Sie Wasser, Strom, Internet und Müllgebühren in die Miete ein. Das vereinfacht die Abrechnung enorm.
  3. Professionelle Reinigung: Planen Sie Budget für eine gründliche Endreinigung nach jedem Mieterwechsel ein. Das ist keine Kür, sondern Pflicht, um die nächste Vermietung nicht zu gefährden.
  4. Plattform-Nutzung: Nutzen Sie etablierte Plattformen wie Wunderflats (Trustpilot-Bewertung 4,2/5), HousingAnywhere oder Urbanbnb. Sie kontrollieren zusammen etwa 65 % des digital vermittelten Marktes und übernehmen oft die Bonitätsprüfung.

Steuerlich lohnt sich die Investition ebenfalls. Die Kosten für Möbel sind absetzbar und können über die Abschreibung verteilt werden. Experten von Schemmer.de (2023) betonen, dass dies die steuerliche Last senkt und die Nettorendite erhöht.

Ausblick: Ist das Modell zukunftssicher?

Die Deutsche Bank Research prognostiziert in ihrem Bericht vom Dezember 2023 ein weiteres Wachstum des Sektors um jährlich 15-18 % bis 2026. Getrieben wird dies durch die zunehmende berufliche Mobilität und die wachsende Zahl digitaler Nomaden. Prof. Dr. Thomas Rau vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bestätigt: "Der Trend zum Wohnen auf Zeit ist strukturell bedingt und wird auch bei veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterhin bestehen bleiben."

Auch institutionelle Anleger erkennen das Potenzial. Der IVD erwartet, dass deren Anteil am Markt von 22 % auf 35 % steigen wird. Wenn Sie jetzt einsteigen, positionieren Sie sich frühzeitig in einem Markt, der zwar professioneller wird, aber immer noch hohe Margen für private Anbieter bietet. Achten Sie jedoch auf steigende Energiekosten, die laut Prognosen die Renditen bis 2025 um durchschnittlich 0,8 Prozentpunkte drücken könnten. Eine moderne Dämmung und effiziente Heizsysteme werden daher wichtiger.

Gilt die Mietpreisbremse für Wohnen auf Zeit?

In der Regel nicht oder nur eingeschränkt. Da es sich um befristete Mietverhältnisse handelt, greifen die Regelungen der Mietpreisbremse, die für unbefristete Langzeitmieten gedacht sind, oft nicht. Zudem erlaubt die Möblierung eine höhere Preiskalkulation, die über dem reinen Mietspiegel liegt.

Wie lange muss die Mindestmietdauer sein?

Das hängt von der jeweiligen Stadt ab. In Berlin beträgt die Mindestmietdauer aktuell sechs Monate (Stand 2024), in München fünf Monate. In anderen Städten kann sie bei drei Monaten liegen. Prüfen Sie immer das lokale Zweckentfremdungsgesetz, um Bußgelder zu vermeiden.

Lohnt sich die Möblierung für Vermieter?

Ja, absolut. Möblierte Wohnungen erzielen durchschnittlich 10-30 % höhere Mieten. Die Anschaffungskosten sind steuerlich absetzbar und lassen sich über die Abschreibung verteilen. Zudem ziehen möblierte Wohnungen solventere Mieter an, die oft von Arbeitgebern bezahlt werden.

Welche Plattformen sind empfehlenswert?

Die marktführenden Plattformen sind Wunderflats, HousingAnywhere, Urbanbnb und Zeitwohnen.de. Sie decken zusammen etwa 65 % des digitalen Marktes ab. Wunderflats hat beispielsweise eine hohe Nutzerzufriedenheit (4,2/5 auf Trustpilot), was auf zuverlässige Vermittlung hindeutet.

Was ist der größte Nachteil für Vermieter?

Der erhöhte Verwaltungsaufwand. Häufigere Mieterwechsel bedeuten mehr Bürokratie, Übergabetermine und Reinigungskosten. Schätzen Sie Ihren Zeitaufwand realistisch ein - viele Vermieter berichten von 10-15 Stunden zusätzlicher Arbeit pro Monat.