Wertansätze für Luxusimmobilien: Besonderheiten und Käuferschichten in Deutschland 2026
22 Februar 2026 1 Kommentare Lisa Madlberger

Wertansätze für Luxusimmobilien: Besonderheiten und Käuferschichten in Deutschland 2026

Was macht eine Immobilie wirklich zu einer Luxusimmobilie? Es geht nicht nur um große Räume oder teure Ausstattung. In Deutschland gilt ab 750.000 Euro für Einfamilienhäuser und ab 5.000 Euro pro Quadratmeter für Eigentumswohnungen eindeutig das Luxussegment. Diese Zahlen stammen aus der Dahler & Company Studie 2024, die den deutschen Markt erstmals systematisch erfasst hat. Der Bestand an Luxusimmobilien liegt bei rund 200.000 Einheiten - und hat einen Gesamtwert von über 250 Milliarden Euro. Das ist kein Nischenmarkt mehr. Es ist eine eigene Welt mit eigenen Regeln.

Wie wird eine Luxusimmobilie wirklich bewertet?

Bei einer normalen Wohnung reicht es oft, drei vergleichbare Objekte in der Nachbarschaft zu finden und den Durchschnitt zu nehmen. Bei Luxusimmobilien funktioniert das nicht. Es gibt kaum echte Vergleichsobjekte. Warum? Weil jede Villa, jedes Penthouse oder jedes Anwesen mit historischem Charme einzigartig ist. Ein Haus in München-Bogenhausen mit 570 Quadratmetern, Wellnessbereich, Weinkeller und privater Zufahrt hat nichts mit einem ähnlichen Objekt in Hamburg zu tun - selbst wenn beide 10 Millionen Euro kosten.

Die klassische Vergleichswertmethode stößt hier an ihre Grenzen. Experten wie Dr. Thomas Bürkle von Dahler & Company empfehlen deshalb ein modifiziertes Ertragswertverfahren. Dabei wird nicht nur der mögliche Mietwert berechnet, sondern auch der emotionale Wert einbezogen. Was heißt das? Ein Käufer, der seit Jahren von einem bestimmten Anwesen geträumt hat, zahlt leicht 20 bis 40 Prozent mehr - einfach weil es „das Richtige“ ist. Diese sogenannten Emotionalkäufer sind für 37 Prozent aller Transaktionen über 10 Millionen Euro verantwortlich.

Die Bewertung läuft in drei Schritten ab: Zuerst sucht man die seltensten, ähnlichsten Objekte - oft aus historischen Daten, denn aktuelle Verkaufspreise über 10 Millionen Euro werden meist geheim gehalten. Dann werden 15 bis 20 Faktoren bewertet: Lagequalität, Architektur, Seltenheit, Ausstattung, Gartenfläche, Sicherheitssysteme, Smart-Home-Technik. Und zum Schluss: ein Aufschlag von bis zu 15 Prozent für den emotionalen Mehrwert. Ein Gutachter, der das nicht kennt, überschätzt oder unterschätzt das Objekt um bis zu 20 Prozent.

Wo liegen die teuersten Lagen in Deutschland?

Es gibt Orte, an denen der Quadratmeterpreis nicht mehr messbar ist - er wird zum Symbol. In München-Bogenhausen wurden für ein 570 m² großes Anwesen 23.158 Euro pro Quadratmeter gezahlt. In Berlin-Mitte kostet ein Penthouse mit Blick auf den Reichstag leicht 15,8 Millionen Euro. Auf Sylt liegt der Durchschnittspreis pro Einfamilienhaus bei über 2 Millionen Euro. Und Baden-Baden hat den größten wertmäßigen Anteil am gesamten deutschen Luxusmarkt - mit 58 Prozent des Umsatzvolumens.

Die Top-5-Standorte sind klar: München, Hamburg, Berlin, Düsseldorf und das Münchener Umland. Aber es gibt auch Überraschungen. Sylt, Kampen und die Region am Starnberger See gehören zu den teuersten Orten Deutschlands - nicht wegen der Nähe zur Stadt, sondern wegen der Exklusivität. Wer hier eine Villa kauft, kauft nicht nur Wohnraum, sondern Zugang zu einem geschlossenen Kreis. Ein Haus am Wannsee mit 80 Millionen Euro Preis ist kein Einzelfall mehr - sondern ein Zeichen dafür, dass die Grenze zwischen Luxus und Prestige verschwimmt.

Penthouse in Berlin-Mitte mit Blick auf den Reichstag, smart-home-Technik und Panoramafenster bei Dämmerung.

Wer kauft wirklich diese Immobilien?

Die Käuferschichten sind klar strukturiert. Deutsche Privatpersonen machen mit 45 Prozent den größten Anteil aus. Aber es sind nicht die typischen Einkommensverdienenden. Die meisten Käufer sind zwischen 45 und 65 Jahre alt. Sie haben ihr Vermögen aufgebaut, wollen jetzt Sicherheit und ein Lebenswerk. 68 Prozent von ihnen legen Wert auf architektonische Besonderheit und historischen Wert - ein altes Gutshaus mit originalen Holzdecken, eine Villa aus den 1920ern mit originalen Stuckelementen.

Dann kommen die internationalen Investoren. Die Schweiz (18 Prozent), Russland (15 Prozent) und Skandinavien (12 Prozent) sind die wichtigsten ausländischen Käufer. Ihre Prioritäten sind anders: 82 Prozent von ihnen suchen nach Lage, 76 Prozent nach Wertstabilität. Sie kaufen nicht, um zu leben - sie kaufen, um zu halten. Und sie wissen: In den letzten zehn Jahren stiegen die Preise in den Top-Lagen durchschnittlich um 6,2 Prozent pro Jahr. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei normalen Immobilien.

Ein besonderes Phänomen: Die Nachfrage aus Skandinavien und Russland ist im ersten Halbjahr 2024 um 23 Prozent gestiegen. Viele dieser Käufer wollen nicht nur ein Haus - sie wollen eine Absicherung gegen politische Unsicherheit, Inflation oder Währungsschwankungen. Luxusimmobilien in Deutschland sind für sie ein sicherer Hafen - und das macht sie noch wertvoller.

Warum ist die Liquidität so niedrig?

Ein Luxusobjekt braucht im Durchschnitt 30 Prozent länger zum Verkauf als eine normale Immobilie. Warum? Weil es nur wenige Käufer gibt. Eine Villa für 15 Millionen Euro hat nicht hundert Interessenten - sondern vielleicht drei. Und diese drei müssen nicht nur das Geld haben, sondern auch die richtige Motivation.

Bei Transaktionen über 10 Millionen Euro werden in 68 Prozent der Fälle Geheimhaltungsklauseln vereinbart. Das bedeutet: Die Verkaufspreise werden nicht öffentlich gemeldet. Das macht die Bewertung noch schwieriger. Gutachter arbeiten mit veralteten Daten, mit anonymisierten Informationen, mit Gerüchten. Das führt dazu, dass zwei Gutachter für dasselbe Objekt oft Abweichungen von 18,7 Prozent haben - bei normalen Immobilien sind es nur 7,2 Prozent. Deshalb empfehlen Experten: Bei Objekten über 5 Millionen Euro immer mindestens zwei unabhängige Gutachter beauftragen.

Drei Käufergruppen vor einer Luxusimmobilie: deutsche Privatperson, Schweizer Investor und skandinavische Familie.

Was macht Luxusimmobilien so stabil?

Immer wenn die Wirtschaft schwankt, steigen die Preise für Luxusimmobilien. Während die Preise für Standardwohnungen 2024 leicht zurückgingen, blieben die Preise für Luxusobjekte stabil - oder stiegen sogar. Warum? Weil sie nicht von Zinsen oder Mietpreisbremse abhängen. Sie werden nicht als Kapitalanlage gekauft - sondern als Lebensform. Und sie dienen als Inflationsschutz. Ein Haus, das 2010 für 5 Millionen Euro verkauft wurde, ist heute 8 Millionen wert. Das ist eine jährliche Wertsteigerung von 5,8 Prozent. Bei normalen Immobilien waren es nur 4,2 Prozent.

Die Zukunftsperspektiven sind gemischt. 65 Prozent der Experten glauben, dass die Preise weiter steigen - besonders in den Top-Lagen. Aber Prof. Dr. Jürgen Scholz warnt: Wenn die Zinsen weiter steigen und die Wirtschaft einbricht, könnte es eine Korrektur von bis zu 15 Prozent geben. Der Markt ist nicht unverwundbar. Aber er ist widerstandsfähiger als jeder andere Immobilienmarkt.

Was kommt als Nächstes?

Die neue Generation von Luxusimmobilien heißt „Wellness-Luxus“ und „Smart-Home-Luxus“. Es geht nicht mehr nur um große Räume, sondern um perfekt abgestimmte Systeme: Infrarot-Saunen, klimatisierte Weinkeller, automatische Licht- und Jalousiesteuerung, biometrische Zugangskontrolle, eigene Energieversorgung. Deutschland hat hier eine Vorreiterrolle. Die Zahl der Transaktionen über 15 Millionen Euro stieg 2024 um 22 Prozent. Der Durchschnittspreis im Top-1%-Segment ist von 12,4 auf 13,1 Millionen Euro gestiegen.

Was bedeutet das für Käufer und Verkäufer? Wer eine Luxusimmobilie verkauft, muss nicht nur den Wert des Hauses erklären - sondern die Geschichte, die dahintersteht. Wer kauft, muss bereit sein, nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Geduld und emotionale Energie zu investieren. Denn bei diesen Objekten zählt nicht, wie viel Quadratmeter man hat - sondern was man damit fühlt.

Was gilt als Luxusimmobilie in Deutschland?

In Deutschland gelten Einfamilienhäuser ab einem Kaufpreis von 750.000 Euro und Eigentumswohnungen ab 5.000 Euro pro Quadratmeter als Luxusimmobilien. Diese Grenzen wurden 2024 von Dahler & Company definiert und gelten als Branchenstandard. Objekte über 10 Millionen Euro gehören zum Premium-Segment, das besonders dynamisch wächst.

Warum sind Luxusimmobilien schwerer zu bewerten als normale Wohnungen?

Weil es kaum echte Vergleichsobjekte gibt. Jede Luxusimmobilie ist einzigartig - in Architektur, Lage, Geschichte oder Ausstattung. Der klassische Vergleichswertansatz funktioniert nicht. Stattdessen müssen Gutachter emotionale Faktoren, Seltenheit und Exklusivität einbeziehen. Auch Geheimhaltungsklauseln bei Transaktionen über 10 Millionen Euro erschweren die Datenerhebung.

Welche Käufergruppen gibt es bei Luxusimmobilien?

Deutsche Privatpersonen (45 %) bilden die größte Gruppe, oft zwischen 45 und 65 Jahren. Internationale Investoren kommen vor allem aus der Schweiz (18 %), Russland (15 %) und Skandinavien (12 %). Deutsche Käufer legen Wert auf Architektur und Geschichte, internationale Käufer auf Lage und Wertstabilität. 37 % der Transaktionen über 10 Millionen Euro werden von sogenannten Emotionalkäufern getätigt, die bis zu 40 % über dem Marktpreis zahlen.

Wo liegen die teuersten Immobilien in Deutschland?

Die teuersten Lagen sind München-Bogenhausen (bis zu 23.158 €/m²), Berlin-Mitte, Baden-Baden, Sylt und das Münchener Umland. Auf Sylt liegt der Durchschnittspreis pro Einfamilienhaus bei über 2 Millionen Euro. Die teuerste Immobilie Deutschlands, eine Villa am Starnberger See, wurde für 68 Millionen Euro verkauft.

Sind Luxusimmobilien eine gute Investition?

Ja - aber nicht wie eine Aktie. Luxusimmobilien bieten keine hohe Liquidität, aber starke Wertstabilität. In den letzten zehn Jahren stiegen die Preise in Top-Lagen durchschnittlich um 6,2 % pro Jahr, bei Standardimmobilien nur 4,2 %. Sie dienen als Inflationsschutz und sind besonders attraktiv für langfristige Vermögenssicherung. Eine Korrektur ist möglich, wenn Zinsen stark steigen - aber die langfristige Tendenz bleibt positiv.

Kommentare
Sven Ulrich
Sven Ulrich

Luxusimmobilien? Das ist doch nur Geldwascherei mit Terrasse.
Wer das braucht, hat zu viel Zeit und zu wenig echte Probleme.

Februar 22, 2026 AT 16:04

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