Bad altersgerecht umbauen: Dusche und WC als Schlüssel für Sicherheit im Alter
25 Februar 2026 0 Kommentare Tilman Fassbinder

Bad altersgerecht umbauen: Dusche und WC als Schlüssel für Sicherheit im Alter

Ein Bad, das im Alter nicht mehr sicher ist, wird zur Gefahrenzone. Jeder dritte Sturz im Haushalt passiert im Badezimmer - das zeigt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2023. Besonders kritisch sind dabei die Dusche und die Toilette. Wer ab 65 Jahren oder mit eingeschränkter Mobilität lebt, braucht keine Luxusausstattung, sondern klare, funktionale Lösungen. Ein altersgerechtes Bad kostet nicht immer zehntausend Euro. Es geht um die richtigen Details - und die sind oft billiger als gedacht.

Warum eine bodengleiche Dusche kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist

Eine klassische Duschkabine mit 5 cm hoher Schwelle mag unscheinbar wirken. Doch für jemanden mit eingeschränkter Beinbewegung oder einem Rollstuhl ist das eine unüberwindbare Barriere. Selbst eine 2 cm hohe Schwelle kann zum Stolperstein werden, wie der Architekturbund Deutschland 2024 klarstellt. Die Lösung? Eine bodengleiche Dusche ohne Restschwelle.

Diese Dusche sitzt auf gleicher Höhe mit dem Badezimmerboden. Keine Kante, kein Übergang. Das ist nicht nur für Senioren praktisch, sondern auch für Menschen mit vorübergehenden Verletzungen - etwa nach einer Operation. Die Mindestgröße sollte 120 × 120 cm betragen. So bleibt genug Platz für einen Duschhocker oder eine Pflegekraft, die assistiert. Ein kleinerer Raum zwingt zum Hinken, zum Ziehen, zum Risiko.

Der Bodenbelag muss rutschhemmend sein - mindestens R11, besser R12. Nicht nur glänzende Fliesen, sondern spezielle Textilbeläge oder strukturierte Keramik. Die Stiftung Warentest hat 2024 getestet: 65 % der neuen bodengleichen Duschen hatten Probleme mit der Entwässerung. Pfützen bleiben, weil die Rinne zu klein oder falsch verlegt wurde. Achten Sie deshalb auf eine ausreichende Gefälle-Rinne mit mindestens 100 mm Durchmesser. Eine Edelstahl-Duschrinne mit Anschlussleitung kostet rund 782 Euro, laut Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI, 4. Quartal 2024).

Die Investition für eine vollständig bodengleiche Dusche beginnt bei 6.000 Euro. Doch das ist kein Endpreis. Es geht um die langfristige Sicherheit. Ein Sturz im Bad kann zu Knochenbrüchen führen, die jahrelange Pflege kosten - und das ist viel teurer als ein gut geplanter Umbau.

Das WC: Warum wandhängend das einzige vernünftige Modell ist

Ein herkömmliches WC mit Sitzhöhe von 45 cm ist für viele Senioren eine Qual. Aufstehen wird zur Kraftanstrengung. Die Lösung? Ein wandhängendes WC mit barrierefreier Sitzhöhe von 48 bis 50 cm. Das ist etwa so hoch wie ein stabiler Stuhl - ideal, um sich abzustützen und sicher aufzustehen.

Wand-WCs sind nicht nur ergonomisch, sondern auch leichter zu reinigen. Keine Ecken, wo sich Schmutz sammelt. Sie erfordern aber eine feste Wandkonstruktion. Die Installationstiefe muss mindestens 20 cm betragen. Das bedeutet: Die Rohre müssen in die Wand verlegt werden, nicht auf dem Boden. Das ist aufwendiger, aber es lohnt sich.

Ein solches WC kostet etwa 1.375 Euro, laut BKI. Dazu kommen noch die Montagekosten von rund 140 Euro. Im Vergleich: Ein Standard-WC aus dem Baumarkt kostet 70 bis 100 Euro. Aber es ist kein Ersatz. Es ist eine Falle. Wer mit einer künstlichen Hüfte oder Arthrose lebt, braucht keine billige Lösung - er braucht eine funktionierende.

Optional: Ein WC mit Bidet-Funktion. Das reduziert den Bedarf an Handtüchern und ist hygienischer. Eine einfache Nachrüstung kostet ab 350 Euro. Eine Version mit automatischem Deckel und Geruchsabsorber liegt bei 700 Euro und mehr. Aber das ist kein Muss. Die Grundfunktion - hoher Sitz, stabile Haltegriffe, rutschfester Boden - ist das Wichtigste.

Kosten: Was wirklich drin ist und wo man sparen kann

Ein kompletter altersgerechter Badezimmerumbau kostet zwischen 900 und 3.500 Euro pro Quadratmeter. Das klingt viel. Aber es hängt davon ab, was Sie wirklich brauchen.

Ein 4 m²-Bad, das nur die Dusche und das WC ersetzt, kann mit 12.000 bis 20.000 Euro bei Profis auskommen. Wer aber selbst die alten Fliesen abbricht, die Bodenplatte vorbereitet oder die Malerarbeiten übernimmt, kann bis zu 60 % einsparen. OBI rechnet vor: Mit Selbstanteil sinkt der Preis auf 3.600 bis 14.000 Euro.

Die größten Kostenpunkte:

  • Bodengleiche Dusche: ab 6.000 Euro (inkl. Abbruch, Neueinbau, Abdichtung)
  • Wandhängendes WC: 1.375 Euro (zuzüglich 140 Euro Montage)
  • Abbruch und Untergrundvorbereitung: 60 Euro pro m²
  • Handwerkerkosten: durchschnittlich 50 Euro pro Stunde

Was Sie nicht brauchen: eine Dusche mit Heißwasser-Recycling, LED-Beleuchtung oder ein Smart-System, das bei Sturz alarmiert. Diese Technik ist interessant - aber nicht notwendig. Die Deutsche Gesellschaft für Altersgerechtes Bauen warnt: "Nicht jeder Senior braucht eine Premium-Lösung. Oft reichen Haltegriffe für 50 bis 100 Euro."

Älterer Mensch betritt eine barrierefreie Dusche, während ein Installateur die Ablaufrinne prüft.

Was wirklich zählt: Die 3 wichtigsten Regeln für einen erfolgreichen Umbau

Ein altersgerechtes Bad wird nicht durch teure Marken, sondern durch klare Regeln erfolgreich. Hier sind die drei wichtigsten Punkte, die Sie nicht übersehen dürfen:

  1. Keine Schwelle - niemals. Selbst 1,5 cm Höhe, wie ein Nutzer auf MyHammer.de beschreibt, kann ein Desaster sein. Die Rohrleitungen müssen angepasst werden - nicht umgekehrt.
  2. Haltegriffe richtig montieren. Nicht irgendwo an die Wand. Sie müssen in die Wandverankerung eingebaut werden, nicht nur mit Dübeln. Ein Haltegriff für die Dusche sollte in 70 cm Höhe montiert sein - so, dass man sich gut abdrücken kann. Für das WC braucht es seitliche und hintere Halterungen. Kosten: 50 bis 150 Euro pro Griff.
  3. Platz für Hilfe. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt mindestens 150 cm Durchmesser Freifläche vor Dusche und WC. So kann eine Pflegekraft mit einem Rollstuhl oder einer Hilfsmaschine arbeiten. Kein Platz? Dann ist der Umbau sinnlos.

Ein weiterer Tipp: Lassen Sie sich die Garantie für die Abdichtung der Dusche schriftlich geben. 2024 hatte fast jede vierte bodengleiche Dusche nach zwei Jahren Feuchtigkeitsschäden - weil die Dichtung nicht richtig verlegt wurde.

Förderung: Was der Staat zahlt

Sie brauchen nicht alles selbst zu bezahlen. Die KfW-Förderprogramme 159 und 455 zahlen bis zu 6.240 Euro pro Haushalt für barrierefreie Umbauten. Im Januar 2025 hat die Deutsche Rentenversicherung ihren Zuschuss von 4.000 auf 6.000 Euro erhöht. Das ist ein großer Schritt. Wer einen Antrag stellt, muss die Kosten nachweisen - aber es lohnt sich. Viele Handwerker wissen davon nicht einmal. Fragen Sie danach, bevor Sie unterschreiben.

Vergleich zweier Badezimmer: traditionell mit Stolpergefahr und barrierefrei mit Sicherheit und Selbstbestimmung.

Was andere sagen: Erfahrungsberichte aus der Praxis

Ein Nutzer namens "SeniorRenovator" aus dem Forum r/Bauen schreibt: "Die bodengleiche Dusche für 6.800 Euro war teuer. Aber meine 87-jährige Mutter duscht jetzt wieder selbst. Kein Hilfsmittel mehr. Kein Stress. Die Investition hat sich gelohnt." Ein anderer Nutzer, "HandwerkerHans", berichtet: "Die versprochene ebenerdige Dusche hatte am Ende doch eine 1,5 cm hohe Schwelle. Die Rohre wurden nicht angepasst. 4.200 Euro für nichts." Diese beiden Erfahrungen zeigen es: Es kommt auf die Ausführung an. Nicht auf das Versprechen. Und nicht auf den billigsten Anbieter.

72 % der Nutzer auf Trustpilot loben die verbesserte Sicherheit. Aber 78 % kritisieren die hohen Kosten. Und 62 % klagen über lange Wartezeiten - durchschnittlich 8 Wochen, wie Sanitärportal.de 2024 ermittelte. Planen Sie früh. Und wählen Sie einen Handwerker mit Erfahrung in altersgerechten Bädern. Fragt man nicht, bekommt man einen Standard-Bad-Handwerker. Und das ist riskant.

Was kommt als Nächstes? Smarte Technik und der Markt im Wandel

Der Markt wächst. 2024 waren 22,5 % der Deutschen über 65 Jahre alt. Bis 2030 wird es jeder dritte sein. Der Markt für altersgerechte Badezimmer wird sich auf 1,8 Milliarden Euro verdoppeln. Neue Techniken kommen: Grohe hat im März 2025 ein Notrufsystem vorgestellt, das bei Sturz innerhalb von 30 Sekunden alarmiert. Aber das ist Zukunft. Der Kern bleibt: Sicherheit durch einfache, klare Lösungen.

Prof. Dr. Klaus Weber von der TU München warnt: "Überengineering ist teuer und unnötig. Ein Anti-Rutsch-Matte, ein Haltegriff, eine höhere Toilette - das ist der wirkliche Mehrwert."

Es geht nicht darum, das Bad in ein Krankenhaus zu verwandeln. Es geht darum, es wieder zu einem Ort der Selbstbestimmung zu machen. Ein Ort, an dem man sich sicher fühlt. Und das ist nicht teuer. Es ist einfach - wenn man es richtig macht.

Wie viel kostet ein altersgerechtes Bad mit bodengleicher Dusche und wandhängendem WC?

Die Kosten beginnen bei etwa 6.000 Euro für die bodengleiche Dusche und 1.375 Euro für das wandhängende WC. Dazu kommen Abbruchkosten (60 Euro/m²), Montage (140 Euro) und Handwerkerstunden (50 Euro/Stunde). Insgesamt liegt der Preis für ein 4 m²-Bad zwischen 9.000 und 15.000 Euro, je nach Ausstattung. Mit Selbstanteil und Förderung kann man bis zu 6.000 Euro sparen.

Kann ich eine bodengleiche Dusche nachrüsten, ohne das ganze Bad zu renovieren?

Nur bedingt. Eine echte bodengleiche Dusche erfordert, dass der gesamte Boden abgetragen und neu verlegt wird - inklusive der Abwasserleitung. Eine Duschwanne mit geringer Schwelle (ab 4.000 Euro) ist eine Alternative, aber sie bietet keine echte Barrierefreiheit. Wer wirklich sicher sein will, muss den Boden komplett neu machen.

Was ist der Unterschied zwischen einem wandhängenden WC und einem herkömmlichen WC?

Ein wandhängendes WC hat eine höhere Sitzhöhe von 48-50 cm und keine untere Kante, die schmutzig wird. Es ist stabiler, leichter zu reinigen und ermöglicht ein sicheres Aufstehen. Ein herkömmliches WC sitzt auf dem Boden, hat eine Sitzhöhe von nur 45 cm und ist für viele Senioren schwer zu benutzen. Der Preisunterschied ist groß: 1.375 Euro vs. 70-100 Euro - aber der Nutzen ist entscheidend.

Wie lange dauert ein altersgerechter Badezimmerumbau?

Ein kompletter Umbau mit bodengleicher Dusche und wandhängendem WC dauert in der Regel 10 bis 14 Tage. Das beinhaltet Abbruch, Rohrleitungen, Abdichtung, Fliesen und Montage. Wartezeiten auf Handwerker können bis zu 8 Wochen betragen - besonders in ländlichen Regionen. Planen Sie früh ein.

Gibt es Förderung für altersgerechte Badezimmerumbauten?

Ja. Die KfW fördert bis zu 6.240 Euro pro Haushalt über die Programme 159 und 455. Seit Januar 2025 zahlt die Deutsche Rentenversicherung sogar 6.000 Euro Zuschuss. Voraussetzung ist ein nachgewiesener Bedarf - etwa durch ein ärztliches Attest oder eine Pflegestufe. Der Antrag muss vor Beginn der Arbeiten gestellt werden.