Ein Badezimmer im Altbau zu sanieren ist kein gewöhnlicher Renovierungsjob. Es geht nicht nur darum, alte Fliesen rauszunehmen und neue einzulegen. Hier trifft Geschichte auf Technik. Alte Rohre, unebene Decken, schräge Wände und versteckte Baustoffe wie Asbest oder Blei machen alles komplizierter. Und wenn du eine bodenebene Dusche willst? Dann musst du das Gefälle richtig berechnen - sonst läuft das Wasser nicht ab. Hier ist, was wirklich zählt: Leitungen, Wände und das Gefälle - Schritt für Schritt.
Leitungen: Was hinter den Wänden steckt
In Häusern vor 1970 laufen die Wasser- und Abwasserleitungen meist aus verzinktem Stahl. Nach 30 bis 40 Jahren fangen diese Rohre an zu korrodieren. Sie werden brüchig, verstopfen oder lecken. Eine Studie des Deutschen Instituts für Normung (2022) zeigt: 78 % der Wasserleitungen in Gebäuden vor 1990 sind so alt, dass sie nicht mehr zu retten sind. Eine Reparatur reicht nicht. Du musst alles erneuern.
Wenn du eine neue Dusche oder ein neues Waschbecken einbaust, musst du die Leitungen oft komplett umlegen. Besonders kritisch ist das Abwasserrohr. Bei einer bodenebene Dusche brauchst du ein Gefälle von mindestens 2 % pro Meter. In Altbauten ist der Boden oft nicht flach - er ist geneigt, geschwungen, oder hat eine Holzbodenkonstruktion darunter. Da hilft kein Ausgleich mit Estrich. Die gesamte Abwasserleitung muss neu verlegt werden, oft sogar mit einem neuen Abflusspunkt. Geberit (2023) berichtet, dass in 60 % der Fälle der Abfluss nicht mehr an der alten Stelle liegen kann.
Und dann ist da noch das Risiko: Asbest. In Dichtungsmassen, Isolierungen oder alten Abflussrohren war es bis in die 1980er-Jahre üblich. Das Bundesumweltamt (2022) sagt: In 89 % der Altbauten aus den 1950er- bis 1970er-Jahren ist Asbest vorhanden. Wer es nicht erkennt, setzt sich und andere gefährlichen Fasern aus. Bevor du anfängst, musst du prüfen lassen. Ein Sachverständiger kostet etwa 300 €, aber das ist Geld, das du nicht sparen solltest. Wenn Asbest gefunden wird, musst du einen zugelassenen Fachbetrieb beauftragen. Kein Heimwerker darf das selbst machen.
Wände: Was du unter den Fliesen findest
Die Wände im Altbau sind nicht wie in einem Neubau. Sie sind aus Ziegel, Klinker oder Lehmstein - porös, ungleichmäßig, manchmal mit Feuchtigkeitsschäden. Wenn du alte Fliesen abmeißelst, stößt du auf unebene Oberflächen. Einige Heimwerker versuchen, neue Fliesen einfach über die alten zu kleben. Das klingt einfach, ist aber ein Fehler. OBI (2023) warnt: Das erhöht die Wanddicke um bis zu 1,5 cm. Die Tür passt dann nicht mehr. Und die Fugen zwischen alten und neuen Fliesen werden später undicht.
Drei Wege gibt es wirklich:
- Stemmen und neu verputzen: Alte Fliesen raus, Untergrund glatt machen, dann neuen Putz auftragen. Das ist der sauberste Weg, aber auch der aufwändigste. In Altbauten entsteht dabei bis zu 50 % mehr Staub als in Neubauten - eine Staubschutzfolie ist Pflicht.
- Feuchtigkeitsbeständige Gipskartonplatten (Typ FK): Diese Platten sind speziell für Bäder entwickelt. Du klebst sie direkt auf den alten Untergrund, füllst die Nähte mit 2-Komponenten-Spachtelmasse ab und verfliesst dann darüber. Das spart Zeit und Höhe. Laut DIN 18331 (2022) ist das die einzige zulässige Methode für Feuchträume, wenn du nicht stemmen willst.
- Fliesenlack: Nur als Notlösung. Der Lack hält nicht, wenn die alten Fliesen locker sind. Er ist für kleine Reparaturen gut - nicht für eine Komplettsanierung.
Wichtig: Die Fugen zwischen den Platten oder zwischen Wand und Boden müssen absolut dicht sein. Ein Nutzer auf Reddit schreibt: „Ich habe 3 Monate später Schimmel an der Duschwand - weil ich die Fuge zwischen Wand und Boden nicht abgedichtet hatte.“ Das ist kein Einzelfall. Laut einer Umfrage von toom Baumarkt (2022) haben 42 % der Selbstanstrenger genau diesen Fehler gemacht.
Gefälle: Der entscheidende Millimeter
Das größte Problem bei bodenebene Duschen in Altbauten? Das Gefälle. Du brauchst nicht nur ein leichtes Gefälle - du brauchst ein genaues Gefälle. Die alte Faustregel „1 cm pro Meter“ reicht nicht mehr. Seit 2022 gilt nach DIN 18043 ein Mindestgefälle von 2 %, also 2 cm pro Meter. In Altbauten wird sogar 2,5 % empfohlen, weil die Abflusswege oft kürzer und verzweigt sind. Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (2023) sagt klar: „2 % ist das Minimum. 2,5 % ist sicher.“
Wie machst du das? Du legst den Bodenaufbau nicht einfach mit Beton auf. Du baust ein Gefälle ein. Entweder mit speziellen Gefälleplatten, wie dem neuen „Deltafol“-System von Geberit (2023), das das Gefälle bereits in der Folie integriert. Oder mit einem Estrich, der gezielt abgeflacht wird. Aber Achtung: Wenn du das Gefälle erst nach dem Verlegen der Fliesen prüfst, ist es zu spät. Dann musst du alles wieder rausnehmen.
Ein Nutzer mit dem Pseudonym „Altbauheld99“ beschreibt es so: „Ich habe drei Tage gebraucht, um das Gefälle in meiner 100-jährigen Villa richtig hinzubekommen. Der Estrich war nicht eben. Ich habe mit Wasserwaage und Laser gemessen - und dann nochmal nachgegossen.“
Der Abfluss muss zentral liegen. In Altbauten ist das oft nicht der Fall. Die alte Abwasserleitung ist seitlich. Dann musst du ein asymmetrisches Gefälle bauen - steiler an einer Seite, flacher an der anderen. Ein Fehler, den viele machen: Sie verlegen den Abfluss einfach dort, wo es leicht ist - und nicht dort, wo das Wasser am besten abfließt. Das Ergebnis? Wasser sammelt sich in einer Ecke. Nach drei Monaten riecht es modrig.
Was du vorher machen musst
Bevor du auch nur eine Fliese anrührst, musst du drei Dinge erledigen:
- Wasser und Strom abstellen: Den Hauptwasserhahn drehen. Die Sicherungen im Schaltkasten rausnehmen. Kein Risiko.
- Grundriss zeichnen: Zeichne den Raum mit Maßen. Markiere alle Anschlüsse: Toilette, Waschbecken, Dusche, Badewanne. Überlege, wo du sie hinverschieben willst. OBI (2023) sagt: „Ohne Plan läuft alles schief.“
- Zeitplan machen: Ein realistischer Zeitplan sieht so aus: Abriss (2-3 Tage), Rohrverlegung (1-2 Tage), Wandvorbereitung (2 Tage), Bodenaufbau mit Gefälle (1 Tag), Fliesen (3-4 Tage). Das sind mindestens 9-12 Arbeitstage - und das ohne Pausen oder unerwartete Probleme.
Und vergiss nicht: In Altbauten brauchst du immer mehr Zeit als gedacht. DOOZER.DE (2023) sagt, dass bei Wanddurchbrüchen bis zu 30 % mehr Zeit für Abdichtung nötig ist als in Neubauten. Das liegt an den unregelmäßigen Wänden und dem hohen Feuchtigkeitsrisiko.
Kosten und Förderung
Eine Komplettsanierung kostet zwischen 12.500 € und 18.000 €. Das ist viel - aber du bekommst Unterstützung. Seit 2024 gibt es vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (2023) einen Zuschuss von bis zu 5.750 € für barrierefreie Badsanierungen in Altbauten. Das ist eine Erhöhung um 15 % gegenüber früher. Wenn du eine bodenebene Dusche einbaust, eine Handlaufhalterung oder eine kippbare Duschbank, dann fällt dein Bad unter diese Förderung. Du musst dich nur vorher anmelden - nicht danach.
Und der Trend geht weiter: Laut Bundesverband Deutscher Fertigbau (2023) steigt die Zahl der Badsanierungen in Altbauten jährlich um 5,2 %. 63 % dieser Sanierungen passieren in Gebäuden vor 1970. Und 47 % der neuen Badezimmer haben jetzt eine bodenebene Dusche. Das ist kein Modetrend - das ist Notwendigkeit. Ältere Menschen wollen nicht mehr über eine Badewannenkante steigen. Und das ist gut so.
Was du nicht tun solltest
- Nicht einfach neue Fliesen über alte kleben - das hebt den Boden und bringt Türprobleme.
- Nicht das Gefälle erst nach dem Verlegen prüfen - das kostet dich 500 € und zwei Wochen Arbeit.
- Nicht ohne Asbest-Prüfung anfangen - das ist gefährlich und rechtlich riskant.
- Nicht die Fugen vergessen - das ist der Hauptgrund für Schimmel.
- Nicht die Tragfähigkeit der Decke ignorieren - Holzbalkendecken halten nur 150-200 kg/m². Ein Whirlpool wiegt 500 kg.
Ein Meister aus München sagt es klar: „In Altbauten vor 1945 sind bei 65 % der Fälle die Rohrleitungen so veraltet, dass eine Kompletterneuerung notwendig ist - nicht nur eine Reparatur.“ Du kannst nicht halbherzig sanieren. Entweder du machst es richtig - oder du lässt es bleiben.
Wie hoch muss das Gefälle bei einer bodenebene Dusche in einem Altbau sein?
Laut DIN 18043 (2022) muss das Gefälle mindestens 2 % betragen, also 2 cm pro Meter. In Altbauten wird empfohlen, 2,5 % vorzusehen, besonders wenn der Abflussweg kurz oder verzweigt ist. Das verhindert Verstopfungen und stehendes Wasser. Ein Gefälle von nur 1,5 % reicht nicht mehr aus - das ist veraltet.
Darf man neue Fliesen über alte Fliesen kleben?
Technisch möglich - aber nicht empfehlenswert. Das erhöht die Wanddicke um bis zu 1,5 cm. Das kann dazu führen, dass Türen nicht mehr richtig schließen. Außerdem bleibt die alte Fliese als Unterlage, die sich mit der Zeit löst oder Feuchtigkeit speichert. Das führt zu Schimmel und Ablösungen. Besser: Alte Fliesen entfernen und mit feuchtigkeitsbeständigen Gipskartonplatten (Typ FK) verkleiden.
Wann muss man Asbest in einem Altbau prüfen lassen?
Immer, wenn du in Gebäuden vor 1970 arbeitest, besonders bei Rohrleitungen, Dichtungsmassen, Dämmungen oder Abflussrohren. Das Umweltbundesamt (2022) bestätigt: In 89 % der Badezimmer aus den 1950er- bis 1970er-Jahren ist Asbest enthalten. Bevor du stemmst, bohrst oder abbrichst, muss ein Sachverständiger prüfen. Sonst riskierst du Gesundheit und Strafe.
Wie viel kostet eine komplette Badsanierung im Altbau?
Eine Komplettsanierung kostet zwischen 12.500 € und 18.000 €. Dazu kommen bis zu 2.300 € extra, wenn Asbest entfernt werden muss. Wenn du eine bodenebene Dusche einbaust, kannst du bis zu 5.750 € Förderung vom Staat bekommen - vorausgesetzt, du hast vorher einen Antrag gestellt.
Kann man eine Badewanne in einem Altbau mit Holzbalkendecke einbauen?
Nur wenn du die Tragfähigkeit prüfst. Holzbalkendecken aus den 1920er- bis 1970er-Jahren halten nur 150-200 kg pro Quadratmeter. Eine moderne Badewanne wiegt 150-250 kg, ein Whirlpool bis zu 500 kg. Wenn du eine schwere Wanne einbauen willst, muss ein Statiker prüfen, ob die Decke das trägt. Sonst besteht Einsturzgefahr.