Wärmebrücken erkennen: So nutzt du Thermografie im Wohnhaus für mehr Komfort und Energieeinsparung
24 Februar 2026 0 Kommentare Tilman Fassbinder

Wärmebrücken erkennen: So nutzt du Thermografie im Wohnhaus für mehr Komfort und Energieeinsparung

Stell dir vor, du bezahlst jeden Monat hohe Heizkosten, hast aber trotzdem kalte Ecken in deiner Wohnung - und an manchen Wänden bildet sich Schimmel, obwohl du lüftest und die Heizung läuft. Der Grund dafür liegt oft nicht an dir, sondern an unsichtbaren Schwachstellen in deinem Haus: Wärmebrücken. Diese Stellen sind die Hauptursache für Energieverluste und Feuchtigkeitsschäden. Doch es gibt eine einfache, nicht-destruktive Methode, sie sichtbar zu machen: Thermografie.

Was ist Thermografie und wie funktioniert sie?

Thermografie nutzt Infrarotkameras, um die Wärmestrahlung von Oberflächen sichtbar zu machen. Jeder Körper, der wärmer als minus 273 Grad Celsius ist, sendet unsichtbare Infrarotstrahlung aus. Die Kamera fängt diese Strahlung ein und wandelt sie in ein farbiges Bild um - ein sogenanntes Thermogramm. Dabei zeigt Rot hohe Temperaturen (also viel Wärmeverlust), Gelb und Grün mittlere Werte, und Blau oder Schwarz kalte Stellen an.

Diese Technik ist viel effizienter als ein einfaches Thermometer. Während ein Thermometer nur an einer Stelle misst, zeigt die Thermografie in einem einzigen Bild ganze Wände, Fenster oder Dächer. Du siehst sofort, wo Wärme entweicht - ohne Bohren, Abkratzen oder Zerstören.

Die Genauigkeit hängt vom Emissionsgrad des Materials ab. Poliertes Aluminium hat einen Wert von nur 0,05, während Ziegel oder Beton bei 0,85-0,95 liegen. Menschliche Haut liegt bei 0,97. Das bedeutet: Ein kalter Fleck auf der Wand ist nicht immer ein Wärmebrücke - manchmal ist es nur ein Material mit niedrigem Emissionsgrad. Deshalb braucht die Auswertung Erfahrung.

Warum entstehen Wärmebrücken?

Wärmebrücken entstehen dort, wo Bauteile aufeinandertreffen und Wärme leichter nach außen fließen kann. Typische Stellen sind:

  • Fenster- und Türrahmen, besonders an den Anschlüssen zur Wand
  • Balkonplatten, die durch die Wand durchgezogen sind
  • Ecken zwischen Außen- und Innenwänden
  • Durchdringungen wie Rohre, Kabelkanäle oder Lüftungsanlagen
  • Schlecht gedämmte Dachgeschosse oder Decken

Wenn an diesen Stellen Wärme entweicht, kühlt die Wand ab. Und wenn die Wandtemperatur unter den Taupunkt sinkt, kondensiert die Luftfeuchtigkeit - und Schimmel entsteht. Das ist kein Zufall. Es ist Physik. Und Thermografie macht diese Physik sichtbar.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Thermografie?

Nicht jede Aufnahme bringt aussagekräftige Ergebnisse. Die Thermografie funktioniert nur, wenn es einen klaren Temperaturunterschied zwischen innen und außen gibt. Die Faustregel: Mindestens 15 °C Differenz, besser 20 °C oder mehr.

Das heißt: Die beste Zeit ist die Heizperiode - also von Ende Oktober bis Ende März. Ideal ist ein kalter, bewölkter Tag ohne Wind und Niederschlag. Sonne oder Regen stören die Messung. Bei Sonnenschein heizt sich die Fassade von außen auf und verschleiert die echten Wärmeverluste. Regen macht die Oberfläche nass und verändert den Emissionsgrad.

Im Winter, wenn draußen minus 5 °C und drinnen 20 °C sind, sind die Unterschiede am deutlichsten. Dann leuchten Wärmebrücken rot auf - wie Brandstellen auf einem Karte.

Wo sollte man thermografisch untersuchen?

Die wichtigsten Bereiche sind die äußere Gebäudehülle. Das bedeutet:

  • Außenwände - besonders an Ecken, Fenstern und Türen
  • Dachflächen und Dachbodenanschlüsse
  • Fundamente und Kellerdecken
  • Decken zwischen Wohnraum und unbeheizten Räumen (z. B. Garage, Dachboden)
  • Rollladenkästen und Durchführungen für Lüftung oder Elektro

Ein Profi scannt nicht nur die Vorderfront. Er nimmt auch die Seiten und die Rückseite auf - denn Wärmebrücken sind oft nicht nur auf einer Seite sichtbar. Besonders kritisch sind Stellen, an denen Bauteile übereinander liegen: z. B. wo eine Balkonplatte durch die Wand führt. Da entsteht ein Kältebrücke, die bis ins Innere reicht.

Manchmal hilft auch ein Blower Door Test dazu. Dabei wird das ganze Haus unter Überdruck gesetzt, und die Luftdichtheit wird gemessen. Kombiniert mit der Thermografie zeigt das, ob die Probleme durch Undichtigkeiten oder schlechte Dämmung verursacht werden.

Schnittansicht eines Hauses mit sichtbaren Wärmebrücken durch eine durchgezogene Balkonplatte und Kondensation an kalten Wänden.

Wie hilft Thermografie bei Schimmel und Feuchtigkeit?

Schimmel ist kein Problem der Luftfeuchtigkeit allein. Er entsteht, wenn warme, feuchte Luft auf kalte Oberflächen trifft. Thermografie zeigt dir genau, wo diese kalten Stellen liegen. Ein dunkelblauer Fleck an der Wand? Das ist nicht nur kalt - das ist eine Einladung für Schimmel.

Im Vergleich zu anderen Methoden - wie Feuchtigkeitsmessern oder Abkratzen - ist die Thermografie nicht invasiv. Du musst nicht die Tapete abziehen. Du siehst die Probleme von außen. Und das ist entscheidend, besonders wenn du Mieter bist oder die Wohnung nicht verändern willst, ohne zu wissen, wo das Problem wirklich liegt.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Haus in Graz hatte seit Jahren Schimmel an der Nordwand im Schlafzimmer. Die Mieter dachten, sie lüfteten nicht genug. Doch die Thermografie zeigte: Die Wand war kälter als die Nachbarwände, weil die Dämmung im Bereich des Balkons unterbrochen war. Die Lösung? Nur eine kleine Nachdämmung - und der Schimmel verschwand innerhalb von zwei Monaten.

Wann lohnt sich eine Thermografie?

Es gibt fünf konkrete Situationen, in denen Thermografie sinnvoll ist:

  1. Bevor du sanierst: Du willst wissen, wo du wirklich investieren musst. Kein blindes Dämmen - nur gezielte Maßnahmen.
  2. Nach einer Sanierung: Hat die Dämmung funktioniert? Oder wurden neue Wärmebrücken eingebaut? Die Thermografie ist die Qualitätssicherung.
  3. Bei hohen Heizkosten: Wenn deine Rechnung immer höher wird, obwohl du nichts geändert hast, lohnt sich eine Untersuchung.
  4. Bei Schimmel oder Feuchtigkeit: Nicht nur die Oberfläche behandeln - die Ursache finden.
  5. Beim Neubau: Bevor die Fassade verputzt wird, kann man noch alles korrigieren. Später ist es teuer.

Die meisten Hausbesitzer überrascht, wie viel Wärme an scheinbar „normalen“ Stellen verloren geht. Ein Fensteranschluss, der rot leuchtet? Das ist nicht „nur ein kleiner Spalt“. Das ist ein Energieverlust, der über ein Jahr hinweg mehrere hundert Euro kostet.

Was kannst du mit den Ergebnissen tun?

Die Thermografie sagt dir nicht nur, wo es Probleme gibt - sie zeigt dir auch, wie du sie lösen kannst. Hier sind die effektivsten Maßnahmen:

  • Fugen abdichten: Die günstigste Lösung. Mit Dichtungsband, Silikon oder Dämmstreifen kannst du undichte Fensteranschlüsse, Rollladenkästen oder Rohrdurchführungen in wenigen Stunden reparieren. Kosten: 50-150 €, Einsparung: bis zu 15 %.
  • Dämmung der obersten Geschossdecke: Wärme steigt nach oben. Wenn der Dachboden nicht gedämmt ist, verlierst du bis zu 30 % der Heizenergie. Nachdämmen kostet 300-800 € und amortisiert sich in 2-4 Jahren.
  • Balkonplatten entkoppeln: Wenn ein Balkon durch die Wand führt, ist das eine massive Wärmebrücke. Eine Lösung: Isolierplatten unter dem Balkon anbringen - oft mit Fördermitteln unterstützt.
  • Nachdämmung der Außenwände: Wenn die Fassade nicht gedämmt ist, lohnt sich eine Außendämmung. Sie reduziert die Wärmebrücken und verbessert den Komfort.

Einige Energieberater bieten Thermografie und Beratung in einem Paket an. Das ist sinnvoll - denn wer die Bilder sieht, braucht auch jemanden, der erklärt, was zu tun ist. Ein Berater, der nur die Kamera führt, ohne Lösungen zu nennen, ist nicht hilfreich.

Hausbesitzer hält ein Thermogramm, das Wärmeverluste an Fenstern und Balkon zeigt, neben der tatsächlichen Wand mit unsichtbaren Problemen.

Wie viel Geld kannst du sparen?

Studien zeigen: Durch gezielte Maßnahmen nach einer Thermografie lassen sich Heizkosten um 10-25 % senken. In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus in Österreich mit einem jährlichen Heizenergieverbrauch von 15.000 kWh entspricht das einer Einsparung von 1.500 bis 3.750 € pro Jahr - je nach Heizart und Preisen im Jahr 2026.

Dazu kommt der Komfortgewinn: Keine kalten Ecken mehr. Kein Schimmel. Kein ständiges Lüften, weil die Luft „kalt“ anfühlt. Und: Dein Haus wird wertvoller. Eine thermografisch überprüfte und sanierbare Fassade ist ein Verkaufsargument - besonders in Zeiten, in denen Energieeffizienz immer wichtiger wird.

Was du nicht tun solltest

Thermografie ist kein Spielzeug. Wer eine Billig-Kamera von Amazon kauft und ohne Wissen auswertet, macht Fehler. Ein roter Fleck ist nicht immer eine Wärmebrücke. Manchmal ist es nur ein Fensterrahmen aus Metall - oder eine reflektierende Oberfläche.

Vermeide:

  • Thermografie bei Sonnenschein oder Regen
  • Verwendung von Kameras ohne kalibrierte Emissionsgrad-Einstellung
  • Interpretation ohne Fachwissen - besonders bei alten Gebäuden mit unterschiedlichen Materialien
  • Ignorieren von Feuchtigkeitsmessungen neben der Thermografie

Wenn du unsicher bist, lass es von einem zertifizierten Energieberater machen. In Österreich gibt es viele, die nach EN ISO 18436-7 zertifiziert sind - das ist der Standard für thermografische Inspektionen.

Thermografie als Investition in deine Zukunft

Es geht nicht nur um Geld. Es geht um Gesundheit. Es geht um Komfort. Es geht darum, dein Zuhause nicht nur warm, sondern auch trocken und sicher zu halten.

Wärmebrücken sind nicht sichtbar. Aber sie sind messbar. Und mit Thermografie wirst du sie sehen - und dann kannst du etwas dagegen tun. Die Technik ist da. Die Lösungen sind einfach. Die Zeit ist jetzt.

Kann ich eine Thermografie selbst machen?

Du kannst eine Infrarotkamera mieten oder kaufen, aber ohne Erfahrung und Wissen zur Materialkennung und Umgebungsbedingungen sind die Ergebnisse irreführend. Die meisten Fehler entstehen durch falsche Emissionsgrad-Einstellungen oder falsche Wetterbedingungen. Für eine verlässliche Auswertung lohnt sich die Beauftragung eines zertifizierten Fachmanns.

Wie viel kostet eine professionelle Thermografie?

Für ein Einfamilienhaus liegt der Preis zwischen 300 und 600 €, abhängig von der Größe, der Komplexität und ob ein Blower Door Test mit dabei ist. Viele Gemeinden oder Energieagenturen bieten Förderungen an - oft bis zu 50 % der Kosten. In Graz gibt es z. B. die Energieberatung Steiermark, die Beratung und Thermografie in Kombination anbietet.

Ist Thermografie auch für Mietwohnungen sinnvoll?

Ja, besonders wenn es Schimmel oder kalte Wände gibt. Der Vermieter ist gesetzlich verpflichtet, das Wohnen in einem ordnungsgemäßen Zustand zu halten. Eine Thermografie ist ein nachweisbarer Dokumentationsbeweis - und kann helfen, Sanierungen einzufordern. Du musst die Aufnahmen nicht selbst machen - lass sie von einem Experten durchführen und reiche sie dem Vermieter ein.

Wie lange dauert eine Thermografie?

Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus dauert die Aufnahme etwa 1-2 Stunden. Die Auswertung und Erstellung des Berichts mit den Thermogrammen und Empfehlungen erfolgt meist innerhalb von 2-3 Werktagen. Einige Anbieter liefern die Ergebnisse sogar am selben Tag.

Macht Thermografie Schimmel los?

Nein. Thermografie zeigt nur, wo die Ursache liegt. Der Schimmel muss noch entfernt werden - aber nur dann, wenn du die kalte Stelle beseitigt hast, kehrt er nicht zurück. Ohne Beseitigung der Wärmebrücke ist jede Reinigung nur eine kurzfristige Lösung.