Bodengleiche Duschen: Sichere und barrierefreie Nässe-Zonen im Badezimmer
27 Januar 2026 1 Kommentare Tilman Fassbinder

Bodengleiche Duschen: Sichere und barrierefreie Nässe-Zonen im Badezimmer

Stellen Sie sich vor, Sie steigen morgens aus dem Bett, gehen ins Bad - und ohne zu stolpern, ohne nach einer Kante zu suchen, ohne Angst vor einem Ausrutscher - betreten Sie einfach die Dusche. Keine Schwelle, kein Sprung, kein Risiko. Das ist keine Zukunftsvision. Das ist eine bodengleiche Dusche, und sie ist heute die sicherste, praktischste und ästhetischste Lösung für jedes Bad, besonders wenn es um Barrierefreiheit geht.

Was macht eine bodengleiche Dusche wirklich sicher?

Eine bodengleiche Dusche ist nicht einfach eine Dusche ohne Rand. Sie ist ein vollständig integriertes System, das nach strengen Regeln gebaut werden muss. Die wichtigste Norm dafür ist die DIN 18534, die seit Juli 2017 in Deutschland gilt. Sie legt fest, wie Abdichtung, Drainage und Rutschhemmung funktionieren müssen - und das ist entscheidend für die Sicherheit.

Die Fliesen im Duschbereich müssen nach DIN 51097 in Rutschhemmgruppe B zertifiziert sein. Das bedeutet: Selbst wenn sie nass sind, halten sie Ihren Fuß. Hersteller wie Kaldewei bieten spezielle Oberflächen wie „Secure-Plus“ an, die die Rutschsicherheit erhöhen, ohne das Design zu opfern. Keine glatten, glänzenden Fliesen. Keine teuren Aufsätze. Nur echte, geprüfte Sicherheit.

Doch die Sicherheit beginnt unter der Fliese. Die Abdichtung muss im Verbund (AIV) erfolgen - das heißt, sie liegt unter dem Kleber und der Fliese, nicht darüber. Sie muss mindestens 5 cm über den fertigen Boden reichen und an den Wänden bis 20 cm über die höchste Wasserentnahmestelle (also die Duschbrause) hochgezogen werden. Wer das nicht macht, riskiert Wasserschäden in der Wohnung darunter - und das kann schnell tausende Euro kosten.

Warum ist das für Senioren und Menschen mit Einschränkungen so wichtig?

Ein Stolpern im Bad ist kein kleiner Unfall. Es ist der häufigste Grund für schwere Verletzungen bei Menschen über 65. Eine Schwelle von nur 5 Zentimetern kann schon ein Fallrisiko sein - besonders wenn man müde ist, schlecht sieht oder einen Rollstuhl, Gehstock oder Rollator benutzt.

Bei einer bodengleichen Dusche gibt es keine Schwelle. Kein Hindernis. Das bedeutet: Wer im Rollstuhl sitzt, kann direkt unter die Brause gefahren werden. Wer nur einen Gehstock braucht, kommt ohne Hilfe hinein. Wer nach einer Operation noch schwach ist, kann sich sicher an den Wänden abstützen - und nicht auf eine Kante ausweichen, die plötzlich unter dem Fuß wegrutscht.

Die Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik hat in einer Studie 2023 bestätigt: Menschen mit eingeschränkter Mobilität fühlen sich in bodengleichen Duschen deutlich sicherer und selbstständiger. Sie duschen öfter, länger und mit weniger Angst. Und das ist kein Luxus - das ist ein Grundrecht auf Teilhabe.

Wie sieht es mit der Optik und dem Raumgefühl aus?

Viele denken: „Eine bodengleiche Dusche ist nur für Senioren.“ Das ist falsch. Sie ist für alle, die ein modernes, sauberes Bad wollen.

Die schwellenlose Optik lässt den Bodenbelag nahtlos vom Duschbereich in den restlichen Raum übergehen. Das Bad wirkt größer, heller, offener. Keine scharfen Kanten, keine unschönen Übergänge. Es ist ein Design, das sich nicht an die Zeit bindet - es bleibt zeitlos. Das ist der Grund, warum Architekten und Badplaner heute fast jedes neue Bad mit einer bodengleichen Dusche planen, egal ob für einen 25-Jährigen oder einen 80-Jährigen.

Die Fliesen sind nicht mehr nur Funktion. Sie sind Teil des Gesamtkonzepts. Großformatige Steinoptik, dezente Muster, matte Oberflächen - alles möglich. Die Duschwanne verschwindet. Der Boden bleibt ein einheitlicher Flächenraum. Und das ist es, was viele heute als „Wohngefühl“ bezeichnen.

Technische Schnittansicht einer DIN 18534-konformen Dusche mit Abdichtungsschicht, Neigung und Drainage unter den Fliesen.

Was kostet eine bodengleiche Dusche - und lohnt sich das?

Ja, sie ist teurer als eine klassische Duschtasse. Aber warum?

Ein Standard-Duschwannen-Set mit Schwellen kostet zwischen 800 und 1.500 Euro - inklusive Montage. Eine bodengleiche Dusche beginnt bei 2.500 Euro und kann bis zu 6.000 Euro kosten, je nach Material, Abdichtungssystem und Aufbauhöhe. Warum so viel?

Weil es mehr Arbeit braucht. Der Boden muss abgesenkt werden - oft um 10 bis 15 Zentimeter - damit der Ablauf und die Leitungen Platz finden. Das ist bei Altbauten oft schwierig, weil die Deckenunterkante oder die Abwasserleitung im Weg sind. Dann braucht man ein Pumpsystem, das das Wasser nach oben befördert. Das kostet extra.

Die Abdichtung ist aufwendiger. Die Fliesen müssen mit speziellen Dichtungsschlämmen oder Reaktionsharzen abgedichtet werden - nicht mit einfachem Kleber. Und die Neigung muss perfekt sein: mindestens 1,5 bis 2 Prozent. Das bedeutet: Auf einem Meter Duschboden muss der Boden 1,5 bis 2 Zentimeter abfallen - sonst bleibt Wasser liegen. Das ist kein Job für den Heimwerker. Das braucht einen Fachmann mit Erfahrung.

Dennoch: Wer hier spart, zahlt später doppelt. Ein Undichtigkeitsproblem in einer bodengleichen Dusche kann zu Schimmel, Putzschäden, Holzfaulung und sogar Strukturproblemen führen. Die Reparatur kostet oft mehr als die ursprüngliche Installation.

Was muss man vor der Installation wissen?

Bevor Sie loslegen, prüfen Sie drei Dinge:

  1. Die Aufbauhöhe: Haben Sie genug Platz unter dem Boden? Wenn nicht, brauchen Sie ein Pumpsystem oder eine flache Duschtasse - aber dann ist es keine echte bodengleiche Lösung mehr.
  2. Die Abdichtung: Fragen Sie den Handwerker nach der DIN 18534. Er muss die AIV-Methode anwenden und die Flanschbreite von mindestens 50 mm an der Duschrinne einhalten. Dallmer und andere Hersteller haben das seit Jahren als Standard. Wenn er sagt: „Das ist doch nur eine kleine Dusche, da reicht das normale Dichtmittel“, dann laufen Sie weg.
  3. Die Fliesen: Prüfen Sie das Zertifikat. Es muss „DIN 51097, Rutschhemmgruppe B“ stehen. Kein „rutschfest“ oder „für Bäder geeignet“ - das ist kein Standard.

Und wählen Sie einen Handwerker, der speziell auf barrierefreie Bäder spezialisiert ist. Die meisten Fliesenleger kennen die DIN 18534 nicht. Ein Badplaner, der mit Sanitär- und Abdichtungsexperten zusammenarbeitet, ist die bessere Wahl. Viterma und Laabs-Potsdam bieten solche integrierten Lösungen an - mit einem Ansprechpartner für alles: von der Planung bis zur Abnahme.

Person im Rollstuhl fährt sicher in eine bodengleiche Dusche, ohne Schwelle, mit rutschhemmenden Fliesen und sanfter Beleuchtung.

Was ist der größte Fehler bei der Installation?

Der größte Fehler? Die Abdichtung zu vernachlässigen. Oder sie zu spät zu denken.

Einige Handwerker legen erst die Fliesen, dann versuchen sie, die Nahtstellen abzudichten - mit Silikon oder Polymerdispersion. Das ist falsch. Das ist eine Falle. Solche Materialien sind nur für Wände geeignet, die nur leicht bespritzt werden. Für den Boden? Nicht ausreichend. Die DIN 18534 verbietet das ausdrücklich.

Ein Gutachter von 1200Grad.de hat 2022 nach einer Untersuchung von 47 fehlerhaften Duschen festgestellt: In 89 Prozent der Fälle war die Abdichtung nicht fachgerecht. In 62 Prozent der Fälle war die Neigung zu flach. In 74 Prozent wurden die falschen Fliesen verwendet.

Das ist kein Zufall. Das ist Systemfehler. Und es passiert oft, weil der Auftraggeber nicht weiß, was er verlangen muss.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die Nachfrage wächst. Laut dem Deutschen Handwerksblatt steigt der Markt für barrierefreie Badezimmer jährlich um 8,3 Prozent. Bis 2030 wird über ein Drittel der Deutschen älter als 60 sein. Das bedeutet: Bodengleiche Duschen werden nicht mehr die Ausnahme sein - sie werden Standard.

Hersteller arbeiten daran, die Aufbauhöhe zu reduzieren. Neue Drainagesysteme wie „DallFlex“ von Dallmer oder „CeraFloor“ ermöglichen es, die Dusche mit nur 8 Zentimetern Aufbauhöhe zu bauen - das macht sie auch für Sanierungen in Altbauten attraktiv.

Und bald wird es Smart-Bad-Technologien geben, die automatisch die Bodenheizung anpassen, wenn jemand in die Dusche steigt. Oder die Wassermenge regulieren, wenn ein älterer Mensch länger duscht. Die Technik folgt der Bedürfnis. Und das Bedürfnis ist Sicherheit - und Selbstbestimmung.

Die bodengleiche Dusche ist kein Trend. Sie ist eine Notwendigkeit. Nicht nur für Senioren. Für alle, die ein Bad wollen, das sicher, schön und langlebig ist. Und das nicht nur heute, sondern auch in zehn Jahren - wenn man vielleicht nicht mehr so gut laufen kann.

Ist eine bodengleiche Dusche wirklich rutschsicher?

Ja - aber nur, wenn die richtigen Fliesen verwendet werden. Sie müssen nach DIN 51097 zertifiziert und in Rutschhemmgruppe B eingestuft sein. Fliesen mit der Aufschrift „rutschfest“ oder „für Bäder“ sind nicht ausreichend. Hersteller wie Kaldewei bieten spezielle Oberflächen wie „Secure-Plus“ an, die die Sicherheit zusätzlich erhöhen, ohne die Optik zu beeinträchtigen.

Kann man eine bodengleiche Dusche auch im Altbau einbauen?

Ja, aber es ist komplexer. Der Boden muss abgesenkt werden, um Platz für Ablauf und Leitungen zu schaffen. Wenn die Deckenhöhe oder die Abwasserleitung das verhindern, gibt es Lösungen: ein Pumpsystem oder eine flache Duschtasse mit minimalem Aufbau. Beides ist teurer, aber möglich. Wichtig ist: Die Abdichtung und Neigung müssen trotzdem nach DIN 18534 eingehalten werden.

Was kostet eine bodengleiche Dusche im Vergleich zu einer normalen Dusche?

Eine klassische Duschtasse mit Schwellen kostet zwischen 800 und 1.500 Euro inklusive Montage. Eine bodengleiche Dusche beginnt bei 2.500 Euro und liegt oft zwischen 3.500 und 6.000 Euro, je nach Material, Abdichtung und Aufbauhöhe. Der höhere Preis liegt an der komplexen Installation, der speziellen Abdichtung und der notwendigen Bodenhöhe.

Welche Fliesen sind für eine bodengleiche Dusche geeignet?

Nur Fliesen, die nach DIN 51097 zertifiziert und in Rutschhemmgruppe B eingestuft sind. Das steht auf der Verpackung oder im Produktblatt. Vermeiden Sie glänzende, polierte oder glatte Oberflächen. Mattierte Steinoptik, strukturierte Keramik oder rauhe Oberflächen sind die beste Wahl - auch wenn sie optisch weniger „edel“ wirken, sie sind sicherer.

Warum ist die DIN 18534 so wichtig?

Die DIN 18534 ist die einzige normierte Regelung, die die Abdichtung, Drainage und Sicherheit von bodengleichen Duschen in Deutschland festlegt. Sie ersetzt seit 2017 alte Leitfäden und sorgt dafür, dass alle Duschen gleich sicher gebaut werden. Wer diese Norm ignoriert, baut nicht nur unsicher - er macht sich auch haftbar, wenn später Wasserschäden entstehen.

Kann ich eine bodengleiche Dusche selbst einbauen?

Nein. Die Abdichtung, die Neigung, die Integration mit den Wänden und die Verlegung der Fliesen erfordern spezialisierte Kenntnisse und Erfahrung. Selbst kleine Fehler führen zu Wasserschäden, Schimmel oder strukturellen Problemen. Nur ein Fachmann mit Zertifizierung in AIV-Abdichtung und DIN 18534 sollte diese Arbeit übernehmen.

Kommentare
Frank Vierling
Frank Vierling

Endlich mal jemand, der nicht nur von 'barrierefrei' schwafelt, sondern wirklich weiß, was hinter der Norm steckt. Die meisten Handwerker denken, sie können mit Silikon und billigen Fliesen ein Bad bauen und schon ist alles sicher. Quatsch. Wer das nicht nach DIN 18534 macht, baut eine Zeitbombe. Ich hab selbst drei solche Duschen sanieren müssen – jedes Mal war es die Abdichtung, die versagt hat. Kein Wunder, dass die Versicherungen die Finger davon lassen.

Januar 28, 2026 AT 20:16

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