Korrosion in Wasserleitungen: Ursachen, Folgen und was Sie jetzt tun müssen
24 Januar 2026 0 Kommentare Lisa Madlberger

Korrosion in Wasserleitungen: Ursachen, Folgen und was Sie jetzt tun müssen

Wenn Sie morgens den Hahn aufdrehen und das Wasser bräunlich oder trüb aus dem Strahlrohr fließt, ist das kein Zufall. Es ist ein Warnsignal. In Deutschland leiden Korrosion in Wasserleitungen jedes Jahr Hunderttausende Hausbesitzer unter den Folgen - und viele wissen nicht, was wirklich hinter dem Rostwasser steckt. Es geht nicht nur um unschönes Aussehen oder unangenehmen Geschmack. Es geht um Ihre Gesundheit, Ihre Immobilie und Ihre Geldbörse.

Warum rostet Ihr Wasserrohr eigentlich?

Korrosion ist kein Zufall. Es ist eine chemische Reaktion. Wenn Wasser mit Metall in Kontakt kommt, besonders mit Eisen oder Stahl, beginnt es, Elektronen abzuziehen. Das Metall oxidiert - es rostet. Das ist normal. Aber warum passiert das bei manchen Häusern viel schneller als bei anderen? Die Antwort liegt im Wasser selbst.

In Süddeutschland ist das Wasser hart. Das bedeutet: viel Kalk. Kalk bildet eine dünne Schicht an den Rohrwänden. Diese Schicht schützt das Metall. In Norddeutschland dagegen ist das Wasser weich. Sehr weich. Mit nur 2 bis 3°dH Härte. Kein Kalk, kein Schutz. Das Wasser greift das Metall direkt an. Es ist wie Salzwasser für ein Auto - nur viel langsamer, aber genauso zerstörerisch.

Alte Häuser sind besonders betroffen. Bis in die 1980er Jahre wurden fast alle Wasserleitungen aus verzinktem Stahl gebaut. Die Verzinkung sollte das Eisen schützen. Aber nach 25 bis 30 Jahren ist diese Schicht weg. Dann beginnt der echte Rost. Und wenn dann noch Kupferrohre angeschlossen werden - ohne dass die Fließrichtung beachtet wurde - wird es noch schlimmer. Kupfer ist edler als Eisen. Im Wasser entsteht ein elektrischer Strom: Elektronen fließen vom Eisen zum Kupfer. Das Eisen löst sich auf. Das nennt man galvanische Korrosion. Ein Installateur, der das nicht kennt, zerstört innerhalb von Jahren die neue Leitung - und die alte auch noch.

Was passiert, wenn die Rohre rosten?

Rost ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Es ist ein Systemversagen.

Erstens: Das Wasser wird verfärbt. Bräunlich, manchmal rötlich. Das ist Eisenoxid - Rostpartikel. Sie sind nicht giftig, aber sie verstopfen Filter, Waschmaschinen, Durchlauferhitzer. Und sie geben dem Wasser einen metallischen Beigeschmack, den man nicht wegtrinken kann.

Zweitens: Der Wasserdruck sinkt. Rost bildet Ablagerungen an den Innenwänden. Die Rohre verengen sich. Im Bad fließt der Duschkopf nur noch tröpfelnd. In der Küche braucht die Spülmaschine doppelt so lange. Das ist kein Problem der Pumpe - das ist das Rohr, das sich selbst zustopft.

Drittens: Es entstehen Löcher. Punktuelle Korrosion, auch Lochfraß genannt. Ein winziger Riss, der sich über Jahre vergrößert. Plötzlich tropft es an der Decke im Keller. Oder die Wand im Bad wird feucht. Dann kommt der Wasserschaden. Und der ist teuer. Viel teurer als eine Sanierung.

Und viertens: Es entsteht eine Gesundheitsgefahr. Rost und Kalk bilden Nährböden für Bakterien. Besonders Legionellen. Die können sich in warmen Wasserleitungen vermehren - und bei Einatmen von Aerosolen schwere Lungenentzündungen verursachen. Eine Studie des Bauschadeninstituts aus 2022 zeigt: In 32 Prozent der Gebäude mit korrodierten Leitungen wurden Legionellen über den gesetzlichen Grenzwert nachgewiesen. Das ist kein Risiko. Das ist eine Gefahr.

Welche Materialien sind wirklich besser?

Wenn Sie sanieren, dann nicht einfach nur austauschen. Sondern richtig.

Verzinkter Stahl? Vergessen. Selbst wenn er noch halbwegs intakt ist - er ist eine Zeitbombe. Die Lebensdauer liegt bei 25 bis 30 Jahren. Danach beginnt der Rost. Und wenn er mit Kupfer verbunden ist, stirbt er schneller.

Kupfer? Besser, aber nicht perfekt. Kupfer hält 40 bis 50 Jahre - wenn es richtig verbaut ist. Aber: Wenn es an verzinktem Stahl anschließt, korrodiert es selbst. Und Kupfer löst sich im weichen Wasser. Der Grenzwert für Kupfer in der Trinkwasserverordnung liegt bei 2 Milligramm pro Liter. In vielen alten Häusern wird dieser Wert überschritten. Besonders bei längerer Standzeit. Morgens ist das Wasser oft zu kupferhaltig. Das kann Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden verursachen.

Aluminium? Nicht empfehlenswert. Es reagiert besonders heftig mit Eisen. Ein Kontakt zwischen den beiden Metallen im Wasser erzeugt fast ein Volt elektrische Spannung. Das beschleunigt die Korrosion massiv.

Kunststoffrohre? Die Lösung. PEX (vernetztes Polyethylen) und PVC-U sind korrosionsfrei. Sie rosten nicht, sie verengen sich nicht durch Kalk, sie verursachen keine metallischen Verunreinigungen. Sie halten über 50 Jahre. Und sie sind einfacher zu verlegen. Die Kosten liegen bei 8 bis 10 Euro pro Meter - deutlich günstiger als Kupfer mit 12 bis 15 Euro. Die DVGW hat 2023 explizit empfohlen, Kunststoffrohre bei Sanierungen zu verwenden. Die Zukunft ist nicht metallisch. Sie ist plastisch.

Querschnitt einer Korrosion an der Verbindung zwischen Kupfer- und Stahlrohr mit elektrischem Stromfluss.

Wie erkennen Sie, dass es Zeit ist zu handeln?

Sie müssen nicht auf einen Wasserrohrbruch warten. Es gibt klare Anzeichen:

  • Bräunliches oder trübes Wasser, besonders nach längerer Abwesenheit (z. B. nach Urlaub)
  • Metallischer Geschmack, besonders bei heißem Wasser
  • Reduzierter Wasserdruck, besonders bei mehreren gleichzeitigen Verbrauchern
  • Verstopfte Filter oder Durchlauferhitzer
  • Feuchtigkeit an Wänden oder Decken ohne sichtbare Ursache
  • Wasserzähler läuft, obwohl kein Wasser verbraucht wird
Wenn zwei oder mehr dieser Punkte zutreffen, ist es Zeit für eine professionelle Prüfung. Nicht für einen Handwerker, der gerade vorbeikommt. Sondern für einen zertifizierten Fachmann nach DVGW-W 551. Nur der kann feststellen, ob es sich um Korrosion handelt - und wie tief der Schaden geht.

Was kostet eine Sanierung - und lohnt sie sich?

Eine Sanierung kostet zwischen 8.000 und 15.000 Euro für ein Einfamilienhaus. Das klingt viel. Aber vergleichen Sie das mit dem Schaden eines Rohrbruchs: 20.000 Euro für Trockenlegung, 15.000 Euro für neue Fliesen, 10.000 Euro für Schimmelbeseitigung - und das ist nur der Anfang. Dann kommt die Versicherung. Und die zahlt nicht, wenn Sie die Korrosion ignoriert haben. Denn: Sie sind als Hauseigentümer verantwortlich für die Trinkwasserinstallation. Das steht in der Trinkwasserverordnung.

Ein Wasseranalyse-Test kostet 150 bis 250 Euro. Das ist der günstigste Schutz. Er zeigt: Ist das Wasser zu weich? Liegt der Kupferwert über 2 mg/l? Gibt es Blei? Sind Legionellen vorhanden? Mit diesen Daten können Sie entscheiden. Oder zumindest einen Experten richtig beraten.

Und ja: 68 Prozent der Nutzer finden die Kosten zu hoch. Aber die Alternative ist teurer. Und gefährlicher.

Moderne Sanierung mit PEX-Rohren, Techniker mit Wasseranalysegerät in einer hellen Küche.

Was ändert sich ab 2025?

Die Europäische Union verschärft die Trinkwasserrichtlinie. Ab 2025 sinkt der Grenzwert für Blei von 0,01 auf 0,005 Milligramm pro Liter. Für Kupfer wird ein neuer, strengerer Grenzwert eingeführt. Das bedeutet: Häuser, die heute noch „in Ordnung“ sind, werden morgen nicht mehr genehmigt. Die Behörden werden die Trinkwasserqualität kontrollieren - und bei Überschreitungen handeln. Nicht nur bei Krankheitsfällen. Sondern schon bei Messwerten.

Die DVGW hat 2023 ihre Empfehlungen aktualisiert. Sie fordern nicht mehr nur „sicher“, sondern „zukunftsfähig“. Und das bedeutet: Kunststoffrohre. Nicht weil sie billiger sind. Sondern weil sie die einzige Lösung sind, die keine neuen Probleme schafft.

Was können Sie jetzt tun?

1. Prüfen Sie Ihr Wasser. Bestellen Sie eine Trinkwasseranalyse. Nicht bei einem Anbieter, der Rohre verkauft. Sondern bei einem unabhängigen Labor.

2. Prüfen Sie Ihre Rohre. Wo sind sie verbaut? In welchem Alter? Sind es Stahlrohre? Sind sie mit Kupfer verbunden? Machen Sie Fotos. Fragen Sie den Vorbesitzer. Suchen Sie in den Bauplänen.

3. Planen Sie die Sanierung. Wenn Sie Rost, schlechten Druck oder metallischen Geschmack haben: Sanieren Sie. Nicht morgen. Nicht nächstes Jahr. Jetzt. Denn je länger Sie warten, desto teurer wird es. Und desto größer ist das Risiko für Ihre Gesundheit.

4. Wählen Sie das richtige Material. PEX. Nicht Kupfer. Nicht Stahl. PEX ist die einzige Lösung, die Korrosion, Kalk, Metallbelastung und hohe Kosten vermeidet.

5. Wählen Sie den richtigen Installateur. Nur zertifizierte Fachleute nach DVGW-W 551 dürfen an Trinkwasseranlagen arbeiten. Fragt man nicht danach, riskiert man nicht nur die Qualität - sondern auch die Haftung.

Korrosion in Wasserleitungen ist kein Problem der Vergangenheit. Es ist eine Krise der Gegenwart. Und die Lösung ist einfach: Erkennen. Handeln. Sanieren. Mit dem richtigen Material. Mit dem richtigen Fachmann. Jetzt.